Ödnis Montag früh

Der Unterschied zwischen Sonntag und Montag ist minimal. Sonntags in der Früh ist es ruhig, fast still. 24 Stunden später beginnen die LKWs schon in der Nacht um drei und fahren unterm Fenster vorbei. Die Unruhe kehrt brutal zurück, die am Sonntag erst später in der Mittagszeit angestiegen war. Ja, sie haben keine Ruhe im Hintern, die Menschen. Wie die ununterbrochen herumturnenden Affen im Gehege.

Und am Montag fahren die einen von Langel nach Ratingen östlich von Düsseldorf, die anderen von Ratingen nach Eil zur Arbeit. Die Autobahnen sind verstopft, vor den Ampeln warten die Blechlawinen auf die nächste Grünphase. Wäre es da nicht einfacher, die Langeler und die Ratinger würden ihre Wohnung tauschen oder ihr Haus? Vielleicht nach der Probezeit? Oder nach zwei Jahren, da offenbar keine Entlassungen anstehen, und der Gatte noch keine Aufforderung erhalten hat, die nächsten Jahre in Hotelzimmern zu wohnen in irgendeiner gesichtslosen Stadt. Warum eigentlich noch feste Bleiben, wenn der Arbeitgeber Flexibilität wünscht, warum noch Frau und Kinder? Alles Ballast, wie die Regalmeter Bücher, die das "menschliche Sein" nur vom Fließen abhalten, dem rastlosen, das ununterbrochene Vorüberströmen, Vorbeieilen, Hasten.

Und die Seele? Die liegt irgendwo zwischen Kita-Platz und Turnstunde. Körper kommen zusammen und schwitzen, die Ausscheidungen auf der Bettdecke und auf dem Laken. Der leblose Leib: ein Fall sozialverträglichen Frühablebens. Hinterließ keine Witwe, keine Kinder. Der Arbeitgeber hat die Stelle längst mit einer jungen Fachkraft neu besetzt. Ein paar Textbausteine in der Todesanzeige, die Eltern erfahren von der Stadt, dass sie 1000 Euro für das Grab schulden.

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